Hunger in Mannheim - Ein Tagebucheintrag

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Helene Truckenbrod am Mannheimer Altrhein vor Kriegsbeginn (05.05.1938)

Es mag in der Schule heute etwas am Rande oder gar nicht mehr vermittelt werden. Vielleicht haben auch die Generationen die es erleben mussten vergessen es zu berichten. Was Großstädte wie Mannheim betraf, waren Hunger und Not nach Kriegsende für viele Bürger größer als zuvor.

Tagebucheintrag der Mannheimerin Helene Truckenbrod aus dem Jahr 1947:

"Auch heute nach so langer Zeit sieht es immer noch nicht besser aus. Was hatten wir uns alles erhofft und was ist eingetroffen. Immer noch steht der Kampf ums Dasein an erster Stelle. Versorgung, Kleidung, Wohnung sind katastrophal. Wer sich nicht selbst hilft geht unter. Schwarzhandel und Schieberei blühen. Keine amtliche Stelle unternimmt was dagegen. Im Gegenteil Korruption überall. Jetzt 2 Jahre nach dem Kriege immer noch kein Friedensvertrag. Noch keine Währung dafür Demontage. Die diesjährige Ernte nach der großen Trockenheit schlecht. Die Versorgung der Bevölkerung noch schlechter. Wehe wer keine Beziehungen zum Land hat, kann sein letztes Hab aufs Land tragen, denn Geld hat praktisch keine Wert mehr. Alles schiebt in Naturalien, die Geschäftsleute und Wirtschaftsunternehmer an der Spitze. Die große Mehrheit leidet bitterste Not. Niemand der Abhilfe schafft."

 
Wer noch erlebt hat, was die Mannheimerin Helene Truckenbrod in ihrem Tagebuch niederschrieb, sollte darüber reden, es den Kindern und Enkeln erzählen. Denn nur wenn die Nachfolge-Generationen begreifen, dass die Leiden eines Krieges sich nach dessen Ende nicht in Luft auflösen, werden sie umso weniger auf einen neuen Krieg erpicht sein – politisch, wirtschaftlich als auch militärisch.